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Die genaue Diagnose
Gewebeuntersuchung, Tumormarker, Rezeptoren
Autor: Dr. H.-J. Koubenec (Impressum)
Quellen: KID, Deutsches Krebsforschungzentrum
Roche: Brustkrebs
eigenes Expertenwissen
Grundlage: die genaue Diagnose
An erster Stelle steht die Untersuchung durch den Arzt. Neben der
"normalen" körperlichen Untersuchung wird, je nach Alter,
ergänzend eine Röntgenaufnahme der Brust (Mammographie)
durchgeführt. Die Ultraschalluntersuchung (Sonographie)
gehört heute zu jeder Brustuntersuchung, wenn es um die Abklärung
unklarer Befunde geht. Bei jüngeren Frauen (unter 30 Jahren) sollte sie
sogar als erstes bildgebendes Verfahren eingesetzt werden. Der routinierte
Arzt kann nach all diesen Untersuchungen schon eine mehr oder weniger sichere
(vorläufige) Diagnose stellen.
Feingewebliche Untersuchung
Um ganz sicher zu sein, dass Brustkrebs vorliegt, muss eine kleine Probe
des verdächtige Brustgewebes von einem spezialisierten Arzt, einem Pathologen,
unter dem Mikroskop angeschaut werden. Hierfür ist keine Operation notwendig,
die Gewebeprobe sollte mit sog.
Minimalinvasiven Methoden entnommen werden: dabei werden durch eine Stanz-oder
Feinnadelbiopsie
kleine Gewebestückchen oder Zellen mit einer dünnen Nadel aus der
Brust entnommen. Finden sich in dieser Gewebeprobe Krebszellen, steht die
Diagnose Brustkrebs fest. Enthält die Probe keine Krebszellen, obwohl
der Verdacht auf Brustkrebs besteht, müssen weitere Untersuchungen durchgeführt
werden, denn die Ansammlung von Krebszellen könnte neben der Stelle liegen,
aus dem das Gewebe entnommen wurde. In diesem Fall und bei Befunden, wo keine
Nadelbiopsie möglich ist, muss das verdächtige Gewebe durch eine
Operation ganz herausgeschnitten werden. Außerdem klären weitere
Untersuchungen am Gewebe die Empfindlichkeit und Menge der vorhandenen Hormon-Antennen
(Hormon-Rezeptoren)
auf Ihren Krebszellen ab. Siehe auch: Knoten
getastet, was tun?
Gibt es schon Tochtergeschwülste?
Steht die Diagnose Brustkrebs fest, muss geklärt werden, ob Ihr Brust-Tumor
bereits Tochtergeschwülste (Metastasen)
entwickelt hat. Dazu werden vor allem diejenigen Organe untersucht, in denen
sich häufig Metastasen festsetzen: Die Lunge wird geröntgt, die
Leber mit Ultraschall
und das Knochengerüst mit Hilfe der
Szintigraphie untersucht. Bei dieser Untersuchung wird dem Körper
eine mit Strahlung markierte Substanz zugeführt, die sich im Körper
verteilt und besonders im Bereich der Krebszellen anlagert. Diese Verteilung
wird bildlich dargestellt.
Tumormarker
Schließlich werden zwei
Tumormarker‚ bestimmt. CEA und CA15-3 sind Stoffe, die oft von Tumorzellen
gebildet werden und deshalb auch im Blut zu finden sind. Kennt man ihren Ausgangswert
vor der Behandlung, kann man später auf den Verlauf der Erkrankung schließen:
Ist die Menge nach der Behandlung geringer, weist das darauf hin, dass die
Therapie Erfolge erzielt hat. Tumormarker eignen sich wegen ihrer ungenügenden
Treffsicherheit nicht zur primären Diagnosestellung, ob Krebs vorliegt
oder nicht.
Die Zelloberfläche des Tumors
Auch die Oberfläche des Tumors muss analysiert werden. Wissenschaftliche
Untersuchungen haben gezeigt, dass oft
Hormone oder
Wachstumsfaktoren die Entwicklung von Brustkrebs fördern. Ist bekannt,
wie viele Rezeptoren für diese Stoffe Ihre Krebszellen haben, kann später
versucht werden, durch Hormone,
Antihormone oder
Antikörper diese Rezeptoren
zu blockieren. Gelingt dies, kann der Tumor oft - zumindest für einige
Zeit - in seinem Wachstum aufgehalten werden, oder er bildet sich sogar zurück.
Hormon-Rezeptoren
Die Östrogen-
und/oder Progesteronrezeptoren in den Zellkernen Ihres Brustkrebsgewebes
werden an einer kleinen Gewebeprobe nachgewiesen. Das Gewebe wird aus Ihrer
Brust oder aus dem bereits entnommenen Tumor gewonnen und biochemisch untersucht.
Bei sehr wenig Untersuchungsmaterial können die Rezeptoren auch an vorhandenen
Gewebeschnitten durch Beträufeln mit sich färbenden Stoffen (immunhistochemische
Färbemethoden) bestimmt werden. Haben Ihre Krebszellen viele Rezeptoren
für Östrogen, Progesteron oder beides, ist das ein Zeichen dafür,
dass Ihr Brustkrebs gut beeinflussbar ist - der Arzt nennt das prognostisch
günstig. Näheres zur Behandlung finden Sie unter "Hormontherapie".
HER2-Rezeptoren
HER2 steht für den humanen (menschlichen) epidermalen (an der Zelloberfläche
befindlichen) Wachstumsfaktor- Rezeptor Nr. 2. An diesen HER2-Rezeptor
können Wachstumsfaktoren "andocken", die der Zelle das Signal
zum Wachsen geben. Hat eine Krebszelle zu viele solcher Rezeptoren (Überexpression),
wird sie sehr stark zur Teilung angefeuert, und der Krebs wächst schnell
und unkontrolliert. In 25 bis 30 Prozent der Fälle produzieren Brustkrebse
zu viel HER2.
Auch HER2 kann anhand einer Gewebeprobe Ihres Tumors im Labor nachgewiesen
werden. Nur wenn vermehrt HER2-"Antennen" nachgewiesen sind, kann
der Krebs mittels eines Antikörpers behandelt werden, der diese HER2-Rezeptoren
blockiert. (Näheres zu dieser Therapieform erfahren Sie im Abschnitt
Antikörpertherapie). Siehe
auch: Das Her2-Protein.
Stand: 26.06.2011
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