Zytostatika
(Chemotherapeutika)

Platinkomplexe

 

Texte aus: Handbuch Medikamente, Stiftung Warentest, Berlin, 3 Aufl. 2000

Handelsnamen von Medikamenten: Kursiv, D Deutschland, A Österreich

Carboplatin

D Carboplat, Carboplatin Hexal, 
Ribocarbo
A Carbosol, Carboplatin "Ebewe", Carboplatin "Pharmacia & Upjohn", Paraplatin

Cisplatin

D Cisplatin Azupharma, Cisplatin-GRY, Cisplatin Hexal, Cisplatin medac, Cisplatin-Lösung Ribosepharm, Platiblastin, Platinex
A Abiplatin, Cisplatin "Austropharm",
Cisplatin "Ebewe", Platiblastin, Platinol

Platinkomplexe stören die Vermehrung der Erbsubstanz DNA und machen die Zelle teilungsunfähig. Zusätzlich hemmen sie die Mechanismen, mit denen die Zelle normalerweise defekte DNA-Stränge repariert.

Mit beiden Wirkstoffen laufen bei verschiedenen Krebsarten klinische Studien, um herauszufinden, ob Carboplatin, das deutlich weniger unerwünschte Wirkungen hat als Cisplatin, ebenso wirksam ist wie dieses.

Anwendung

Carboplatin wird innerhalb von 15-60 Minuten in die Vene infundiert, meist im Abstand von 4 Wochen.

Cisplatin wird einmalig oder an mehreren Tagen hintereinander im Abstand von 3-4 Wochen in die Vene infundiert.

Achtung

Wenn Sie auf Platin und Platinverbindungen allergisch reagieren oder die blutbildenden Zellen des Knochenmarks durch andere Zytostatika stark geschädigt sind, dürfen Sie keine Platinkomplexe bekommen.

Wenn Ihre Nieren eingeschränkt arbeiten, müssen Ärztin oder Arzt bei Carboplatin die Dosis verringern, mit Cisplatin dürfen Sie nicht behandelt werden.

Wenn Ihr Hörvermögen eingeschränkt ist, sollten Ärztin oder Arzt Nutzen und Risiken der Therapie sorgfältig abwägen.

Wenn Sie noch andere Medikamente oder Behandlungsmethoden erhalten oder erhalten haben, ist zu beachten:

Bei Speisen und Getränken

Sie sollten Alkohol meiden, um die Leber nicht noch mehr zu belasten. Auch auf purinhaltige Lebensmittel (Fleisch, Innereien) sollten Sie verzichten, damit die Harnsäure im Blut nicht ansteigt.

Unerwünschte Wirkungen

Cisplatin hat besonders viele und schwerwiegende unerwünschte Wirkungen. Übelkeit und Erbrechen lassen sich medikamentös nicht immer verhindern. Oft hält die Übelkeit noch mehrere Tage nach den Infusionen an.

Häufig, aber unbedenklich

Cisplatin: Muskelkrämpfe oder leichte Herzrhythmusstörungen durch Magnesium- oder Kaliummangel. Bei solchen Beschwerden sollten Ihnen Ärztin oder Arzt vor einer Cisplatininfusion beide Mineralien zusätzlich geben.

Häufig und gefährlich

Carboplatin und Cisplatin: Hörschäden, vor allem Ohrgeräusche (Tinnitus). Hohe Töne können Sie evtl. gar nicht mehr hören. Um das Gehör nicht zusätzlich zu schädigen, sollten Sie Lärm unbedingt meiden. Bei Carboplatin sind diese Hörschäden oft geringer ausgeprägt und nicht so häufig wie bei Cisplatin.

Wenn Ihnen während der Infusion schwindelig oder unwohl wird, müssen Sie sofort Ärztin oder Arzt informieren. Dann sinkt Ihr Blutdruck zu stark ab, so dass die Infusionsgeschwindigkeit verringert bzw. der Blutdruck medikamentös stabilisiert werden muss. Solche Zeichen können auch auf eine allergische Reaktion hinweisen.

Cisplatin: Nierenfunktionsstörungen, die um so stärker sind, je höher Cisplatin dosiert wird, und die mit der Dauer der Behandlung zunehmen, aber auch schon nach der 1. Infusion auftreten können. Um die Nieren zu schützen, bekommen Sie vor der Cisplatinbehandlung meist mehrere Liter Flüssigkeit infundiert. Trotzdem müssen Ärztin oder Arzt vor jedem Therapiezyklus die Nierenfunktion mit einem Bluttest prüfen.

Nervenschäden: Geschmacks- oder Tastsinn können verlorengehen, so dass Sie sauer und süß, salzig und bitter nicht mehr unterscheiden und mit den Fingern nicht mehr gut fühlen können. Der Sehnerv wird eher selten angegriffen, aber es ist nach einer Cisplatinbehandlung auch schon zu Erblindungen gekommen. Wenn Sie verschwommen oder verschleiert sehen, sollten Sie sofort Ärztin oder Arzt informieren.

Bei Frauen kann Cisplatin die Eierstöcke so schädigen, dass sie keine Kinder mehr bekommen können.

Gelegentlich, aber unbedenklich

Carboplatin: Bauchschmerzen, Verstopfung oder Durchfall. Nervenstörungen mit Kribbeln und Taubheitsgefühlen in Fingern und Zehen oder Geschmacksveränderungen. Leichte allergische Reaktionen mit Juckreiz, Fieber, Hautrötung.

Selten, aber gefährlich

Cisplatin: Störungen im zentralen Nervensystem mit Sprachstörungen, Krampfanfällen, Lähmungen, Verwirrung. Leberfunktionsstörungen. Ärztin oder Arzt müssen deshalb die Leberwerte im Blut regelmäßig kontrollieren.

Hinweise
Für Männer

Cisplatin kann die Zeugungsfähigkeit (nicht die Potenz) dauerhaft beeinträchtigen.

Für Personen über 60 Jahre

Carboplatin kann bei ihnen die blutbildenden Zellen des Knochenmarks stärker schädigen, was vor allem die weißen Blutkörperchen und die Blutplättchen beeinträchtigt. Cisplatin sollte nur eingesetzt werden, wenn Sie keine weiteren Krankheiten haben und die Nieren gut funktionieren.

Stand: 22.06.2004